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„Akzeptanz durch Penetranz“

Dirk Stermann kann eigentlich fast alles. (08.06.17)



Er sieht gut aus, ist charmant, belesen, gebildet und originell. Einziges Manko derzeit vielleicht: die Zigarette, danach aber nichts. Er ist „down-to-earth“, wie es so schön heißt, einfach unglaublich nett, unverschämt sympathisch. Dabei wurde er vor 30 Jahren, als er der Liebe wegen nach Wien kam, nicht besonders herzlich in Empfang genommen, weder von der einen Liebe, noch von den Wienern im Allgemeinen. Sein Leitspruch als Deutscher in Österreich, Rheinländer um genau zu sein: „Akzeptanz durch Penetranz“. Mittlerweile zählt er zu den „sechs Österreichern unter den ersten fünf“1.
Er kam am 8. Juni zu uns an die Schule und las aus seinem neusten Roman „Der Junge bekommt das Gute zuletzt“ und wir durften zuhören und staunen, staunen darüber, dass man sich in 45 Minuten kein einziges Mal verlesen muss. In einem anschließenden Gespräch mit Lehrern und Schülern verriet er, wie er auf die Idee gekommen ist, „ die allertraurigste Geschichte von allen“ zu erzählen.
"Ich hab die Geschichte schon ziemlich früh im Kopf gehabt und bin dann irgendwann auf einen amerikanischen Insektenforscher gestoßen, der von 150 verschiedenen Insekten gestochen worden ist und dann eine Skala aufgestellt hat, welcher Biss am schmerzhaftesten ist. Und diese Skala geht von 0.0 bis 4.0 und der schlimmste Biss ist der Biss der Gewehrkugelameise - auf Englisch 24 Hours Bullet Ant - weil nämlich dieser Schmerz so ist, als würde man dir mit einer Pistole in die jeweilige Stelle aus kurzer Entfernung schießen, aber dieser Schmerz hält 24 Stunden an. Und das ist quasi der Rahmen von Claudes Leben, es wird immer immer schlimmer, so wie die Skala vom Insektenforscher, nur dass es bei Claude bis 5.0 geht."
Der Protagonist des Romans ist der dreizehnjährige Claude Raupenstrauch. Für alle anderen Personen spielt er aber nur eine Nebenrolle, wenn überhaupt. Für seine leiblichen Eltern ist er eigentlich gar nicht existent, sie kümmern sich lieber um ihre eigenen Leben und um ihre neuen Beziehungen. Stermann stellt ihm aber – zumindest für eine Zeit - jemanden zur Seite, der sich um ihn kümmert, die Rolle des „Papafroschs“ übernimmt: Dirko, ein serbischer Taxifahrer mit Multipler Sklerose.
Auf die Frage, ob es im Titel nicht „Bub“ statt „Junge“ heißen sollte, erzählte uns Dirk Stermann folgende Anekdote:
„Ich hab in Kärnten am Millstätter See Urlaub gemacht und da ist eine thailändische Köchin, und deren achtjährige Tochter hat dort mit Wiener Schnöselkindern gespielt, die älter waren als sie, und die so arrogant zu ihr waren: ‚Mein Papa verdient aber mehr als deine Mama‘ und so. Und sie hat so cool reagiert. Am nächsten Tag hab ich beobachtet, dass sie bei den Spielen, die sie gespielt haben, schon die Chefin war. Und eine ihrer Regeln, die sie aufgestellt hat und plötzlich gerufen hat, war dann: ‚Und Regel Nummer vier: der Junge bekommt das Gute zuletzt.‘ „


1 so der Titel seines „Romans einer Entpiefkenisierung“ aus dem Jahre 2010 (Ullstein).