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Gerichtsprojekt

Wie schon viele Jahre zuvor fand auch heuer wieder das Gerichtsprojekt für die achten Klassen statt. Es gliederte sich in 4 Teile. (29.03.04)



GERICHTSPROJEKT


Da wir der Meinung sind, dass kein Maturant/keine Maturantin unsere Schule verlassen soll, ohne über Recht und Rechtssprechung in Österreich Bescheid zu wissen, fand auch heuer wieder ein Gerichtsprojekt statt.

  1. Die Schüler nahmen an zwei Gerichtsverhandlungen (Bestechung von Sachverständigen / Raufhandel unter Jugendlichen) teil, im Anschluss daran erörterte Staatsanwalt Dr. Reinberg die theoretischen Aspekte der Rechtssprechung in Österreich und beantwortete offene Fragen zu den Verhandlungen.
  2. Ein Bewährungshelfer stellte die Institution der Bewährungshilfe und seine Arbeit vor. Er informierte die Schüler außerdem über außergerichtlichen Tatausgleich, Diversion und die Konsequenzen für straffällig gewordene Jugendliche.
  3. Ein Vertreter der Emmaus – Gemeinde stellte unseren SchülerInnen die Emmaus – Gemeinde in St. Pölten, ihren Aufgabenbereich, ihre Organisation und ihre Außenstellen vor. Ein ehemaliger Strafgefangener, der momentan in der Emmaus – Gemeinde lebt, erzählte aus seinem Leben und den Schwierigkeiten bezüglich der Resozialisierung in der Gesellschaft.
  4. Im Religionsunterricht berichtete der Gefängnisseelsorger Mag Leszek Urbanowicz über seine Arbeit in der Haftvollzugsanstalt Stein. Ein Häftling gibt der Religionslehrerin bei einem ihrer Besuche einen sehr berührenden Brief an die Jugendlichen mit, in dem er über sein Schicksal erzählt und die SchülerInnen eindringlich vor illegalen Drogen warnt. Spontan entsteht die Idee in einer Klasse, diesen Brief zu beantworten.
  5. Die SchülerInnen erhalten in zwei Gruppen eine Führung durch die Justizanstalt am Südtiroler – Platz in Krems und lernen den Wohnbereich und die Arbeits- bzw. Freizeitmöglichkeiten der Inhaftierten kennen. Anschließend stehen Justizwachebeamte für Fragen zur Verfügung und informieren über ihren Beruf.
  6. Im P&P – Unterricht lernen die Schüler die Organisation Weißer Ring kennen, die sich um die Probleme der Verbrechensopfer kümmert. Durch organisatorische Probleme ist es leider nicht mehr möglich, dass auch die Vertreterin des Weißen Rings in Krems, Rechtsanwätlin Mag. Sonja Fragner die Schulklassen besucht.

Das Projekt findet fächerübergreifend statt, folgende Fächer sind beteiligt:
  • Religion
  • Deutsch (Beschäftigung mit Literatur, in deren Mittelpunkt Schuld, Sühne und Gerechtigkeit stehen)
  • Englisch (amerikanisches Rechtssystem)
  • Geschichte und Politische Bildung (Gerichtsbarkeit und Rechtswesen)
  • Psychologie und Philosophie (Ethik, Moral: Sinn von Gesetzen, Funktion von Strafe, verschiedene Wertvorstellungen und Moralauffassungen in Vergangenheit und Gegenwart, Problem der Todesstrafe)

Die Organisatoren des heurigen Projekts sind:
  • OSTR Mag. Elisabeth Kurzmann (D)
  • OSTR Mag. Karl Dirnberger (D, H)
  • Mag. Heidi Schreiber (D, P&P)

Aufgrund des großen Verständnisses der in den 8. Klassen unterrichtenden Lehrer und des Einsatzes unseres Administrators, Mag. Wolfgang Schüpany können kurzfristige stundenplanmäßige Veränderungen relativ problemlos gelöst werden.
Die Organisatoren bedanken sich besonders bei den in den diversen Institutionen tätigen Beamten für ihre große Kooperationsbereitschaft, ohne die das Projekt nicht stattfinden könnte.

VORTRAG: Bewährungshilfe


Im Rahmen des Gerichtsprojekts der 8. Klassen fand im März ein 2-stündiger Vortrag über Bewährungshilfe in der Schule statt. Dabei berichtete Herr Nikolaus Felkl über den seit 1969 existierenden Verein Neustart und seine Aufgabenbereiche. In diesem Jahr entstand nämlich auch das Bewährungshilfegesetz. Durch Studien war bekannt, dass umso härter die Bestrafung in einem Fall ausging, umso höher auch die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls des Kriminellen war. Bei Jugendlichen wurden natürlich auch die sozialen Hintergründe und der psychische Zustand berücksichtigt.
Viele Straftaten werden durch diversionelle Methoden geregelt. Dabei handelt es sich zum Beispiel um den außergerichtlichen Tatausgleich. Man weiß aus Erfahrung, dass sich Kriminelle in vielen Fällen gar nicht mit der begangenen Straftat oder mit dem Opfer persönlich auseinander gesetzt haben. Der Prozess findet nach Monaten statt und in diesem Zeitraum vergisst der Täter einiges. So wird zum Beispiel ein Treffen zwischen Opfer und Täter arrangiert. Zuvor muss aber der Akt vom Staatsanwalt geprüft werden und der Täter muss die Verantwortung zu 100 % übernehmen. Diese Gesprächsrunde wird auch als Konfliktregelungsgespräch bezeichnet, wozu die Einwilligung beider Seiten notwendig ist. Hierbei bekommen Opfer und Täter die Chance, die Situation der Straftat aus ihrer Sicht darzulegen. In den meisten Fällen ist das Gespräch für den Täter sehr unangenehm und dient als Abschreckung vor weiteren Straftaten. Es kommt auch zu einer Einigung über die Kosten, die der Täter dem Opfer zu bezahlen hat. Das Wichtigste ist aber, dass der Täter keinen Eintrag ins Strafregister erhält, sodass dadurch keine Probleme in seinem weiteren Leben auftreten.
Es kann sich natürlich auch ein regelrechter Teufelskreis ergeben. Viele Kriminelle sind arbeitslos und können daher für den geforderten Schadensersatz kaum aufkommen. Oftmals kommt es zu einer Pfändung anderer Besitzgüter und der Täter scheint sich in einer auswegslosen Lage zu befinden. Natürlich kommt ein außergerichtlicher Tatausgleich nicht nach jeder Straftat in Frage. Immer häufiger entschließen sich Partner oder Nachbarn bei Problemen und Auseinandersetzungen für diese Art der Konfliktlösung.
Opfer haben keinen Grund sich vor dem Konfliktregelungsgespräch zu fürchten, da dieses immer in „konstruktiven Bahnen“ verläuft. Weitere diversionelle Mittel, neben der Geldbuße, sind beispielsweise die diversionelle Bewährungshilfe über einen Zeitraum von 2 Jahren und des weiteren kann man auch mit Hilfe einer gemeinnützigen Leistung sein „Opfer“ bringen. Ist die Diversion beendet, so wird das Strafverfahren schriftlich durch den Staatsanwalt eingestellt und der Täter verfügt noch immer über seine Unbescholtenheit.
Die Bewährungshilfe selbst kann sich bis zu 10 Jahren hinziehen und wird auch durch erneut begangene Straftaten verlängert. Da es häufig, vor allem bei psychosexuell gestörten Menschen zu keiner Verantwortungsübernahme kommt, wird bei den ersten Sitzungen die Tat rekonstruiert. Im Gegensatz zur traditionellen Haft, als Mittel der Bestrafung, zeigt sich, dass mittels Bewährungshilfe die Rückfallquote massiv verringert werden konnte. Haft bedeutet Isolation, Demütigung, Respektlosigkeit, Einsamkeit, Missachtung und Inkompetenz. So wird nur jeder Vierte mit Bewährungshilfe „behandelte“ Häftling rückfällig, im Vergleich dazu sind es 80 % der Nicht-Betreuten.
In Österreich zählt man 450 Bewährungshelfer, die mit viel Einsatz ständig bemüht sind, Straftäter in ein „geregeltes“ Leben mit Arbeit, Wohnung und sozialen Kontakten zu führen. Wichtig für Bewährungshelfer ist, dass sie einfühlend sind, auf die Menschen zugehen und zu ihnen Vertrauen aufbauen können.

Emmausgemeinschaft


Am 4. März besuchten uns zwei Mitarbeiter der Emmausgemeinschaft aus St. Pölten, welche uns von ihrer Arbeit und ihren Erlebnissen erzählten. Die Emmausgemeinschaft gründete Karl Rottenschlager 1982 um sozial Benachteiligten eine Schlafstelle zu bieten. Mittlerweile be¬herbergt und beschäftigt die vom Land subventionierte Gemeinschaft Arbeits- und Wohnungslose, Langzeitarbeitslose, Haftentlassene, Drogenabhängige, Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und noch andere sozial schwächere Gruppen. Neben dem Wohnheim in der Herzogenburgerstraße (St. Pölten) und am Kalvarienberg (ebenfalls in St. Pölten) können die Gäste, wie die dortigen Bewohner genannt werden, in der Tischlerei, in der Kunstwerkstätte, im Altwarenhandel, in der Bio-Gärtnerei (City-Farm) und in der Sanierungswerkstätte auf einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt vorbereitet werden. Das Helferteam besteht aus ungefähr 20 Zivildienern, Köchen, Sozialarbeitern und ehrenamtlichen Helfern.
Nach dem 3-stündigen Vortrag waren wir Schüler über die soziale Arbeit der Helfer und zum Teil über die Lebensgeschichte einiger Gäste informiert und wir hatten auch noch genug Zeit, um den beiden Mitarbeitern Fragen zu stellen. Alles in allem waren die meisten von uns überrascht, dass die Mitarbeiter ihre Gäste so gut unterstützen, dass 60 % von ihnen nach einem meist einjährigen Aufenthalt ein eigenständiges Leben schaffen.

Gefängnisseelsorge


Mag Leszek Urbanowicz ist seit geraumer Zeit Seelsorger in der Strafvollzugsanstalt Stein. Durch seine langjährige Erfahrung war es ihm möglich, uns interessante Informationen über seine Arbeit im Gefängnis zu vermitteln.
Der Priester soll zum Heil führen, dazu gehört für Mag. Urbanowicz unter anderem stundenlang seinem Gegenüber zuhören, damit er sich aussprechen und Wege aus seinem Unheil finden kann. Der Gefängnisseelsorger ist der Meinung, dass Zuhören das Wichtigste ist, was er einem Gefangenen bieten kann. Seine Aufgabe ist es auch, Versöhnung zu schaffen entweder mit der Familie, die einen Menschen ablehnt, der straffällig geworden ist, aber auch mit der Dorfgemeinschaft, indem er z.B. in der Sonntagsmesse mit den Gläubigen spricht und sie bittet ihrem Mitmenschen zu verzeihen. Durch ihn wird es auch möglich, Kontakt zwischen dem Gefangenen und seiner Familie bzw. Freunden zu schaffen.
Im Gefängnis werden wöchentlich Gottesdienste gehalten, zu denen zwischen 80-90 Gefangene kommen.